Wochenmarkt auf dem Jahnplatz
Stadt Langen will Organisation abgeben
Als Gründe nennt Bürgermeister Jan Werner hohe Verwaltungskosten und die Überlastung des Fachdienstes Öffentliche Sicherheit und Ordnung. In der Vergangenheit hatte es zwischen Stadt und Marktbeschickern geknirscht.
Quelle: Offenbach Post
vom 11. August 2026, Seite 33
© Manuel Schubert
Langen – Wer frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren, Feinkost und mehr benötigt, wird dienstags und freitags beim Wochenmarkt auf dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz fündig. Und das schon seit Jahrzehnten. Doch nun steht der beliebte Einkaufsort und Treffpunkt vor einer ungewissen Zukunft: Die Stadt Langen möchte sich aus der Organisation zurückziehen und den Wochenmarkt an einen neuen Betreiber abtreten. Als Gründe nennt Bürgermeister Jan Werner hohe Verwaltungskosten und die Überlastung des Fachdienstes Öffentliche Sicherheit und Ordnung. In der Vergangenheit hatte es zwischen Stadt und Marktbeschickern geknirscht. „Unser Ziel ist es, den Markt zukunftssicher zu machen, damit er angesichts der dramatischen Haushaltssituation nicht aus Sparzwängen zur Disposition gestellt wird. Denn der Betrieb eines Marktes ist keine originär städtische Aufgabe“, erläutert Bürgermeister Jan Werner (unabhängig). Gleichwohl entstünden durch die Organisation der Traditionsveranstaltung „hohe Verwaltungs- und Personalkosten in unserem sowieso schon stark belasteten Fachdienst Öffentliche Sicherheit und Ordnung“.
Ärger über Ausfälle, weniger Kunden
Laut einer Mitteilung aus dem Rathaus prüft die Verwaltung nun die vergaberechtlichen Voraussetzungen zur Abgabe des Betriebs an einen privaten Unternehmer oder ein Gremium. Die Marktbeschicker seien bereits seit einiger Zeit informiert und in das Verfahren eingebunden. Angepeilt werde eine Neuordnung zum Jahreswechsel 2026/27. „Wir werden alles tun, was notwendig ist, um den Wochenmarkt in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, und ihn auch künftig bestmöglich unterstützen“, verspricht Werner. „Der Markt auf dem Jahnplatz muss auf jeden Fall erhalten bleiben.“
Ganz überraschend kommt der Ausstieg der Stadt nicht, denn im Zusammenspiel mit den Standbetreibern schien es schon seit einiger Zeit zu knirschen. Bereits im vergangenen Jahr berichtete unsere Zeitung darüber, dass die Veranstaltung wiederholt an Brückentagen vonseiten der Verwaltung abgesagt wurde – zum Missfallen von Beschickern und Kundschaft.
Zum Teil machten die Verkäufer ihrem Unmut auch mit öffentlichen Facebook-Posts Luft. „Die Kommunikation mit der Stadt ist ausbaufähig, viele Beschicker sind unzufrieden“, hat ein langjähriger, regelmäßiger Besucher des Wochenmarktes mitbekommen. Zuletzt sei auch die Kundschaft weniger geworden, insbesondere seit die Postbank im Februar ihre benachbarte Filiale in der Flachsbachstraße geräumt hat. Seit 1. August ist dort die „GenussBar“ (zuvor Bahnstraße 35) zu finden.
Der Kunde findet, die Stadt könnte mehr für den Wochenmarkt tun: mehr Werbung im Stadtgebiet, Hinweisschilder auf der Bahnstraße an Markttagen oder auch ein paar zusätzliche Verkaufsstände. Sein Fazit: „Ein bisschen frischer Wind ist vielleicht nicht schlecht.“
Der weht seit April 2025 auf dem samstäglichen Altstadtmarkt, dessen Organisation der Langener Unternehmer Uwe Becker vom Landesverband für Markthandel und Schausteller Hessen übernommen hat. Auch die Stadt verweist in ihrer Mitteilung darauf, dass der Altstadtmarkt gezeigt habe, wie man derartige Veranstaltungen mit innovativen Konzepten erfolgreich sichern könne. „Die Resonanz der Besucher ist durchweg positiv“, sagt Becker. „Viele finden es wichtig, dass es den Markt weiterhin gibt.“ Wer samstags am Vierröhrenbrunnen vorbeifährt, kann den Erfolg des Events nicht übersehen: Woche für Woche strömen dort zahlreiche Langener hin – nicht nur, um einzukaufen, sondern auch, um bei einem Glas Wein oder Bratwurst und Burger zusammenzustehen. Beckers Vertrag lief zunächst probeweise über sechs Monate, wurde nun um drei Jahre verlängert.
Altstadtmarkt-Chef Uwe Becker äußert Interesse
Die Privatisierung eines Wochenmarktes und die Vergabe an einen lokalen Betreiber haben aus seiner Sicht viele Vorteile: „Es ist günstiger, unbürokratischer und die Kommunikationswege sind vor Ort viel kürzer“, sagt Becker. Er verdeutlicht: „Als die Egelsbacher Kerbborschen mich gefragt haben, ob sie drei Tage später auf dem Alstadtmarkt ihre Tickets verkaufen können, habe ich einfach gesagt: ,Das kriegen wir schon hin!‘ Bei einer großen Marktgilde als Betreiber müsste man vermutlich ein halbes Jahr vorher einen Antrag stellen.“ Becker wurde bereits angesprochen, ob er auch den Wochenmarkt auf dem Jahnplatz übernehmen wolle. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt der Unternehmer, er könne sich das vorstellen. „Aber nur in Zusammenarbeit mit den bestehenden Beschickern.“
Neben dem Wochenmarkt auf dem Jahnplatz (dienstags und freitags, 8 bis 13 Uhr) und dem Altstadtmarkt (samstags, 8 bis 14 Uhr) gibt es in Langen auch noch den Wochenmarkt auf dem Martin-Luther-Kirchhof (mittwochs, 8 bis 13.30 Uhr, samt Frühstücksbüfett im Gemeindehaus). Diesen organisiert die evangelische Kirchengemeinde.
Quelle: Offenbach Post vom 11. August 2026, Seite 33, © Manuel Schubert
Ein Samstag ohne Altstadtmarkt ist für viele Langener kaum denkbar
Der 8. April 2000 war für Günter Dietzig ein freudiger Tag: erstmals fand der Langener Altstadtmarkt statt. Lange hatte Dietzig mit der Stadt diskutieren, ja kämpfen müssen, um seine Idee, eine Belebung der Altstadt durch einen Markt am Samstag, in die Tat umsetzen zu können. Dietzig ist mittlerweile verstorben, aber sein Werk lebt weiter. Der Altstadtmarkt zu Füßen der Stadtkirche ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden.
Am Samstag nun konnte bei herrlichem Wetter das 25-jährige Jubiläum des Marktes gefeiert werden. Der Orchesterverein sorgte für die Musik, während die Star Wars-Gruppe „Cantina Clan Offenbach“ um Tobi Taenzer ein begehrtes Fotomotiv war und Spenden für die Albrecht-Tuckermann-Wohnanlage sammelte. „Unser schöner Altstadtmarkt hat sich bestens entwickelt und auch die Zukunft ist gesichert, denn ich würde ihn auch nach dem halben Jahr der Bewährungszeit gerne weiterführen“, betonte Uwe Becker über die Lautsprecheranlage. Der Langener Unternehmer sprang in die Bresche, als der bisherige Veranstalter die Organisation aufgekündigt hatte (wir berichteten). Nun muss ein Ausschreibungsverfahren auf den Weg gebracht werden. Gesucht werden im Übrigen noch Händler, die einen Fisch- und einen Käsestand betreiben.
Textund Fotos POSTL
Quellenangabe: Offenbach-Post vom 07.04.2025, Seite 31
Langen, 22. Januar 2025 – Lösung in Sicht
Manuel Schubert – Offenbach Post vom 22.01.2025 Seite 33
Lösung in Sicht
Langen – Seit dem 8. April 2000 stehen die Samstagvormittage rund um den Vierröhrenbrunnen im Zeichen des Altstadtmarktes. Doch zuletzt waren ein paar dunkle Wolken über der Veranstaltung aufgezogen, die Zukunft des beliebten Treffpunkts zwischen Obst- und Blumenstand, zwischen Grillwurst und Glas Wein, schien in der Schwebe. Denn der Landesverband für Markthandel und Schausteller Hessen (LMS) hatte im September angekündigt, sich eigentlich zum Jahreswechsel als Veranstalter zurückziehen zu wollen (wir berichteten).
Nun gibt es gute Nachrichten: Der LMS macht doch noch bis Ende März weiter. „Ich werde alles dafür tun, was in meinen Möglichkeiten steht, um für einen lückenlosen Weiterbetrieb zu sorgen“, beteuert Geschäftsführer Roger Simak auf Anfrage. Die Stadt als Grundstückseigentümerin möchte wiederum die Zeit nutzen, um die Nachfolge langfristig zu regeln. Und: Es soll sogar mehrere Interessenten geben.
Der Landesverband für Markthandel und Schausteller Hessen veranstaltet den Altstadtmarkt seit dessen Start kurz nach der Jahrtausendwende. Hauptgrund für den jetzigen Rückzug ist, dass Roger Simak nach 33 Jahren im Vorstand des Berufsverbandes in Altersteilzeit eintritt und der LMS Hessen, der sowohl klassische Branchenvertretung als auch gewerblicher Zweckbetrieb ist, keinen geeigneten Nachfolger finden konnte. Daher hatte der Verband entschieden, sechs Märkte im Rhein-Main-Gebiet abzutreten und war auf der Suche nach einem Nachfolger als Veranstalter des Langener Altstadtmarktes.
Vonseiten der Stadt habe man dann im Dezember den Hinweis bekommen, dass aus rechtlichen Gründen eine offizielle Ausschreibung vonnöten sei. Da hatte der LMS bereits alle seine Verträge bezüglich Beschickern, Personal, Strom und Versicherung zum Jahresende aufgekündigt. „Ein Ausschreibungsverfahren benötigt aus der Natur der Sache einen gewissen Vorlauf. Das hätte in der Kürze der Zeit bis zum Jahreswechsel nicht mehr funktioniert“, sagt Simak. Deswegen entschied der Verband, übergangsweise für drei Monate weiterzumachen. „Da allseits ein Interesse am Fortbestand dieses beliebten Marktes besteht, war das zwar aufwendig, aber nicht kompliziert. Jeder hat mitgezogen“, lobt Simak und dankt explizit der Stadt und dem Finanzamt. Denn eigentlich war der Gewerbebetrieb des Landesverbands ebenfalls zum Jahresende abgemeldet worden. „Die jetzige Lösung bewahrt die Ruhe und Kontinuität auf dem Markt, sichert den Status quo“, ist Simak überzeugt. Zum 31. März laufe der Pachtvertrag aber endgültig aus.
Markus Schaible, Pressesprecher der Stadt Langen, bestätigt, dass das Rechtsamt im Rathaus den Vorgang geprüft und empfohlen habe, die Leitung des Altstadtmarktes öffentlich auszuschreiben. Bei einer informellen Vergabe bestehe die Gefahr, dass ein anderer Interessent den Klageweg wählt. Seit Dienstagmorgen ist der Betrieb des Altstadtmarktes nun auf der Homepage der Stadt ausgeschrieben. Ab 1. April soll ein „qualifizierter Konzessionsnehmer in eigener Verantwortung“ die Veranstaltung übernehmen. Bewerbungen sind bis zum 10. Februar möglich.
Nach Informationen unserer Zeitung gibt es eine größere Gruppe, bestehend aus Standbetreibern und treuen Marktbesuchern, die sich gemeinsam bewerben will. Eine bundesweit tätige Marktgilde soll ebenfalls Interesse bekundet haben. Auch Roger Simak sind zwei Interessenten bekannt. Schon im September hatte der Geschäftsführer des LMS Hessen von aussichtsreichen Gesprächen mit einem potenziellen Nachfolger berichtet. Demnach habe er auch eine unverbindliche Empfehlung an die Stadt ausgesprochen. Mehr wolle er zu den Präferenzen des Verbandes nicht sagen. „Wir sind nicht Eigentümer der Flächen und nicht zu einer Beurteilung oder gar Mit-Entscheidung berufen. Das ist alleinige Sache und Kompetenz der Stadtverwaltung“, stellt er klar.
Infos im Internet – Die Ausschreibung zum Altstadtmarkt ist auf langen.de unter dem Menüpunkt „Rathaus/Bürgerbüro“ und dem Unterpunkt „Ausschreibungen“ zu finden.
https://www.langen.de/de/ausschreibungen.html
Quellenangabe: Offenbach-Post vom 22.01.2025, Seite 33
Zukunft des Altstadtmarkts ungeklärt?
Quellenangabe: Manuel Schubert, Offenbach-Post vom 21.09.2024, Seite 31
Langen – Rund um den Vierröhrenbrunnen gibt es jeden Samstag von 8 bis 14 Uhr kaum ein Durchkommen. Hunderte Langener nutzen Woche für Woche den Altstadtmarkt, um sich nicht nur mit frischem Obst und Gemüse, Blumen oder Brotaufstrichen einzudecken, sondern auch bei einer Bratwurst vom Grill oder einem Glas Wein zusammenzustehen. Umso erstaunlicher, dass Gerüchte über ein Ende des beliebten Treffpunkts die Runde machen.
Ein Marktbesucher, der sich bei der Redaktion gemeldet hat, will erfahren haben, dass die beliebte Institution zum Jahresende abgeschafft werden soll. Er kann das nicht verstehen. „Gesellschaftliches Miteinander wird hier perfekt gelebt: barrierefreies Einkaufen und gemütliches Zusammensein von Alt und Jung, Rollstuhlfahrern, Familien, Rentnern, Einzelpersonen. Jede Woche, unbeschwert und kostenlos“, schreibt der Leser.
Fakt ist, dass es Veränderungen geben wird. Denn nach Informationen unserer Zeitung zieht sich der Landesverband für Markthandel und Schausteller (LMS) Hessen, der den Altstadtmarkt seit dem Start im April 2000 veranstaltet, zum Jahresende zurück. „Ja, das ist zutreffend“, bestätigt Geschäftsführer Roger Simak auf Anfrage. Hauptgrund sei, dass er nach 33 Jahren im Vorstand des Berufsverbandes ab Januar in Altersteilzeit eintrete.
Der LMS Hessen gliedert sich in zwei völlig unterschiedliche Bereiche: Zum einen ist er klassische Branchenvertretung, zum anderen gewerblicher Zweckbetrieb. Simak ist hauptamtlicher Geschäftsführer beider Sparten und zudem technischer-operativer Betriebsleiter. „Einen Nachfolger zu finden, der all das in nur einer Person vereint und bereit ist, die außergewöhnlichen Arbeits- und Bereitschaftszeiten zu akzeptieren, erwies sich als unmöglich. Und drei Personen dafür einzustellen, dafür reichen unsere Mittel nicht“, verdeutlicht Simak. Der Verband sei nicht in erster Linie dem Gewinnstreben verpflichtet, sondern den Märkten, den Beschickern, seinen Mitgliedern, den Kommunen und der Kundschaft. „Die logische Konsequenz war dann, diese unternehmerische Sparte des Verbandes zu schließen und sich auf das eigentliche Kerngeschäft einer Berufsorganisation rückzubesinnen“, erklärt Simak. Daher trete der Landesverband nun sechs Märkte im Rhein-Main-Gebiet ab.
Wie es mit der Einkaufsmöglichkeit in der Langener Altstadt weitergeht, lasse sich derzeit nicht abschließend sagen. „Wir stehen in aussichtsreichen Verhandlungen mit einem potenziellen Nachfolger, der die Praxis kennt und fachlich sehr gut geeignet wäre“, kann der Geschäftsführer jedoch verraten. Es handele sich dabei um einen professionellen Wochenmarktveranstalter. „Panik ist völlig unbegründet. Wir versuchen alles, damit der Markt fortgeführt wird“, betont Simak. Die Veranstaltung solle im Optimalfall genauso weiterlaufen wie gewohnt. „Wir werden nicht alles auf links drehen.“
Der Verband hat auch die Stadt als Grundstückseigentümerin gefragt, ob diese bereit wäre, den Altstadtmarkt selbst fortzuführen. Die Verwaltung lehnte jedoch ab. „Wir selbst haben nicht die Kapazitäten, auch diesen Markt noch zu betreiben“, sagt Pressesprecher Markus Schaible. „Wir werden aber natürlich alles dafür tun, dass dieser beliebte Treffpunkt erhalten bleibt.“ Dabei scheint sich noch eine weitere Option aufzutun: Laut Schaible ist eine Gruppe aus den Reihen der Beschicker an die Stadt herangetreten und hat Interesse signalisiert, den Altstadtmarkt in Eigenregie weiterzuführen.
Die anderen beiden Märkte der Sterzbachstadt sind derweil nicht vom Ausscheiden des Landesverbandes betroffen: Den Wochenmarkt auf dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz (dienstags und freitags von 8 bis 13 Uhr) betreibt die Stadt, den Bauernmarkt auf dem Martin-Luther-Kirchhof (mittwochs von 8 bis 13.30 Uhr) organisieren die evangelische Kirchengemeinde und die Arbeiterwohlfahrt. (Manuel Schubert, Redakteur OP West)
Quellenangabe: Offenbach-Post vom 21.09.2024, Seite 31